Gestatten Gerald Vallee, Winzer, nicht Geschäftsmann oder gar Marketingexperte! Daß Gerald Vallee, Inhaber und Betriebsleiter der Domaine de la Cotelleraie, sich rein auf sein Handwerk konzentriert und dabei den betriebswirtschaftlichen Aspekt (vielleicht ein wenig zu sehr) außer Acht lässt, belegt nachdrücklich der Ablauf der Recherche für diesen Text: Denn es ist nicht leicht, die Geheimnisse hinter der Domaine zu lüften. Von Presse und prominenten Weinkritikern noch fast gänzlich unbeachtet, verfügt das Weingut nicht einmal über eine Homepage, und das in Zeiten, in denen selbst der Kiosk an der nächsten Ecke seine Internetpräsenz meist akribisch pflegt. Auch auf meine, via E-Mail gesandte Bitte hin, mir doch Informationsmaterial über die Domaine zukommen zu lassen, reagierte Gerald Vallee nicht mit der, heutzutage bei den meisten seiner Kollegen üblichen, Zusendung einer professionell ausgearbeiteten Pressemappe oder „Image-Broschüre“. Nein, das einzige, was Gerald Vallee mir schickte waren technische Datenblätter und Analysen seiner Weine (die klassischen „Fiche technique“, natürlich auf französisch, denn für wen hätte er denn schon Übersetzungen anfertigen lassen sollen); seinem Verständnis nach wohl das Einzige, was man braucht, um die Domaine de la Cotelleraie zu beschreiben. Also werde ich mich, ganz in seinem Sinne, auch auf die Beschreibung des einzigen beschränken, das Gerald Vallee wirklich interessiert: Sein Winzerhandwerk.
Seine Philosophie ist einfach und den meisten unserer Kunden durch viele andere unserer Winzer bereits bekannt: Biologischer Anbau, lebendiger Boden, im Prinzip alles, was man braucht, um einen Wein im Weinberg entstehen zu lassen und nicht im Weinkeller. Wie während der Süßweinlese erntet Vallee nicht zu festen Terminen, er erntet auch nicht Parzelle für Parzelle, nein, er läuft Tag für Tag durch alle seine Weinberge und pflückt nur die Trauben, die perfekt reif sind. Ein Verfahren, von dem wir für die Rotweinerzeugung noch nie gehört haben (zumindest nicht an der Loire) und dessen Aufwand, gemessen an Vallees Preisen in keinerlei Relation steht.
Doch der Aufwand lohnt sich: Nicht die typischen, harten, oft dünnen Loire-Cabernets präsentiert uns die Domaine, sondern wohlstrukturierte Weine, die ihre Herkunft deutlich schmecken lassen. Begonnen beim „Les Montils“, einem komplett im Stahltank ausgebauten, frisch-fruchtigen Sommerrotwein, den man durchaus auch leicht gekühlt trinken kann, zeigen die Weine deutlich das Potential der Region.
Besonders hervorheben möchte ich den „Les Perruches“, der aufgrund seines Ausbaus im Barrique, des hochwertigeren Leseguts und der älteren Rebstöcke deutlich strukturierter daherkommt, was ihn zu einem perfekten Essensbegleiter macht und zu einem der typischsten Vetreter des klassischen Pariser Bistroweins in unserem Sortiment.
Doch die Speerspitze der Valleeschen Produktion ist klar der „Le Vau jaumier“, ein immens harmonischer Cabernet Franc, der mit seinen typisch fruchtig-gemüsigen Noten, eingebettet in eine feinkörnige, fast seidige Gerbstoffstruktur und eine kalkig-unaufdringliche Mineralität, die Essenz der Loire klar zum Ausdruck bringt.
Vallees Weine sind Musterbeispiele für die gesamte Region!