Das Bio-Urgestein! Vor inzwischen mehr als zwanzig Jahren wurde das Weingut Wittmann auf kontrolliert biologischen Weinbau umgestellt, 1990 folgte die Aufnahme in den Naturland-Verband, 2004 die Umstellung auf biodynamischen Weinbau; eine löblich stringente Entwicklung. Doch neben dieser wirklich erwähnenswert konsequenten Philosophie gibt es noch etwas viel beeindruckenderes am Weingut Wittmann, nämlich den Wein. Seit Jahren erzeugen die Wittmanns Weine, die durchweg zur absoluten Spitze des deutschen Weinbaus gehören.
„Seit dem Jahrgang 1999 präsentieren die Wittmanns nicht nur regelmäßig eine der feinsten Kollektionen Rheinhessens, sondern [...] ganz Deutschland[s].“ (Gault Millau 2010)
Die Klassifizierung erfolgt dabei streng nach den VDP-Richtlinien, die unterste Stufe bilden also die, im Hause Wittmann bereits mehr als erwähnenswerten Gutsweine; fruchtbetonte, elegante Rebsortenweine, die meist aus verschiedenen Weinbergen des Gutes stammen.Vom Weingut als klassische Essensbegleiter gedacht, verfügen sie doch schon über genug Charakter, um den ein oder anderen ruhigen Moment mit ihnen zu verbringen.
Die nächste Stufe bilden die Ortsweine; Weine aus Westhofens besten Lagen (teilweise die Vorlese für die Großen Gewächse), die deutlich dichter, komplexer, und vor allem mineralischer daherkommen.
Doch die Krönung des weinbaulichen Schaffens sind zweifelsohne die Lagenweine, in diesem Betrieb durchgängig als Großes Gewächs deklariert. Das Schlagwort heißt hier „Terra Fusca“ oder Kalksteinbraunlehm, die Westhofen prägende Kalkformation, die auf ein, vor 23 Millionen Jahren entstandenes Kalkalgenriff zurückgeht. Ob sie, wie im Falle der „Westhofener Aulerde“, eines hochreifen, mineralisch geprägten Rieslings, der mit einer enormen Fruchtfülle brilliert, von kieshaltigen, gelben Tonsanden überlagert wird, oder, wie beim „Westhofener Kirchspiel“ in Verbindung mit Ton als klassische Mergelformation die, wie ein altes römisches Amphitheater anmutende Weinbergslage prägt, die „Terra Fusca“ findet sich hier überall.
Doch wer den Westhofener Kalk in Reinstform schmecken will, sollte den „Westhofener Morstein“ probieren. Dieses Musterexemplar eines Großen Gewächses zählt für uns Jahr für Jahr zu den besten trockenen Rieslingen überhaupt. Im Untergrund des von, wie sollte es anders sein, Kalk und Tonmergel geprägten Südhanges befindet sich ein massiver, wasserführender Kalkfelsen, der die optimale Grundlage für die Versorgung mit Nährstoffen und Mineralien und damit für den vielschichtigen, mineralischen Charakter des Morsteins bildet. Riesling in Reinstform.