Das erfrischend herzliche junge Winzerpaar aus Poysdorf: Marion und Manfred Ebner-Ebenauer. Sie, das quirlige Wiener Kommunikationstalent, er, der bodenständige, ruhige Winzer. Bereits seit 15 Generationen prägt seine Familie die Weinlandschaft Poysdorfs. Tief verwurzelt ist er deshalb im Weinviertler Boden, genau wie die weingutseigenen Reben. 25 Lenze zählen die jüngsten, ein Alter, bei dem manch Kollege bereits das Pädikat „Alte Reben“ auf dem Etikett vergeben würde. Doch würde man dies hier auch tun, was sollten sie dann bei ihren bis zu 60-jährigen Anlagen schreiben? Und genau das ist es, was die Weine des Hauses ausmacht: Alte Rebstöcke auf besten Böden. „[…] Qualität kann man nicht im Keller machen, sondern [sie] muß aus dem Weingarten kommen; die kann man maximal erhalten im Keller“ (Marion Ebner-Ebenauer). Eine Devise, die, mir gegenüber, in nahezu gleichem Wortlaut erstmals Deutschlands Kultwinzer Egon Müller verlauten ließ.
Wie das Ergebnis ist? Überzeugen Sie sich selbst. Bereits der „einfache“ Grüne Veltliner überzeugt durch Frische, Frucht und Eleganz, doch den Kern der Ebner-Ebenauerschen Produktion bildet zweifelsohne die Weingutslinie. Komplett aus Einzellagen stammend, wird, nach akribischer Weinbergsarbeit im Keller nur noch reagiert. „Die Natur schreibt das Drehbuch unserer Weine, wir führen die Regie“ (Marion Ebner-Ebenauer). Experimente mit spontaner und kontrollierter Gärung, möglichst wenig Filtration oder sonstige Eingriffe in die Struktur des Weines, langes Hefelager, oft bis April oder Mai des Folgejahres, "sonst lassen wir Wein eben Wein sein" (Marion Ebner-Ebenauer); klassische Merkmale einer Weinerzeugung, die auf Individualität und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Deshalb ist auch der stilistische Unterschied zwischen den beiden DAC-Veltlinern („Districtus Austriae Controllatus“) „Birthal“ und „Herrmannschachern“ bereits deutlich nachvollziehbar. Der von 25- bis 35-jährigen Reben stammende, auf Sandböden gewachsene „Birthal“ ist ein schöner Einstieg in die Welt des Grünen Veltliners: Würzig, duftig, cremig und dennoch leicht und spritzig. Der „Herrmanschachern“ geht bereits einen Schritt weiter: Zu seinem rebsortentypischen „weißen Pfefferl“, seiner fast exotischen Frucht und seinem beeindruckend eleganten, spannungsgeladenen Süße-Säure-Spiel gesellt sich eine fast schon strukturgebende Mineralität, wie sie in Deutschland nur die wenigsten aus relativ schweren Lößböden herauskitzeln. Ebenfalls auf Löß, jedoch mit einer dickeren Lehmauflage, wächst der wohl hochkarätigste Veltliner unseres Sortiments, der Grüne Veltliner „Bürsting“. Die bis zu 45 Jahre alten Reben verleihen ihm eine fast salzig anmutende Minaraltität, die ihn, gepaart mit seiner tiefen Würze, seiner nahezu burgundisch anmutenden Cremigkeit, seinem kompakten Körper und seinem immensen Facettenreichtum zu einem idealen Essensbegleiter machen. Meine erste Wahl zum klassischen Wiener Schnitzel, hervorragend auch zum Kalbsfilet mit Spargeln und Sauce Hollandaise. Unbedingt probieren! Doch bei all den Grünen Veltlinern wollen wir den Riesling nicht vergessen. Denn auch der in der Riede „Obere Steinbergen“ auf Schotterboden gewachsene eben solche, bringt klar den Stil des Hauses zum Ausdruck: Eleganz, Subtilität, Komplexität und Mineralität, und das ohne dabei an Trinkfreude einzubüßen.