Mehr als nur tolle Sekte!
Daß die Schaumweine des Weinguts Wilhelmshof von großer Güte sind, ist für den Kenner der deutschen Weinszene wahrlich nichts neues, doch daß hier auch äußerst erwähnenswerte Stillweine produziert werden, wissen die wenigsten. Weißburgunder Kabinett und Spätlese beweisen dies nachdrücklich. Beide stammen aus der, durch prominente Nachbarn wie Hans-Jörg Rebholz, berühmt gewordenen Lage „Siebeldinger Im Sonnenschein“, einer vor ca. 250 Millionen Jahren im Mesozoikum durch Verwitterungs- und Umlagerungsprozesse entstandenen klassischen Keuper-Formation, in deren Oberboden sich angetragener Tonmergel mit einem Kalkgehalt von bis zu 28% findet – nahezu ideale Voraussetzungen für Burgunderreben. Über den Kabinett will ich gar nicht zu viele Worte verlieren, einfach gesagt: Er ist ein rebsortentypischer, absolut sauberer, animierend trinkiger Einstiegsweißburgunder mit einem überragenden Preis-Genuß-Verhältnis, der sich, nicht wirklich überraschend, zu einem der meistgekauften Weißburgunder unseres gesamten Sortiments gemausert hat. Die Spätlese kommt etwas komplexer daher; neben der typischen Weißburgunderfrucht kommt hier noch Schmelz und Cremigkeit in Spiel.
Die Sekte stammen allesamt aus verschiedenen Lagen Siebeldingens und werden deshalb der örtlichen Großlage, dem „Siebeldinger Königsgarten“ zugeordnet. Dadurch erhält sich die Erbin des Familienbetriebs Barbara Roth, die das Weingut heute mit ihrem Mann Thorsten Ochocki leitet, die Möglichkeit offen, durch eine Veränderung der „Lagen-Assemblage“ eines Sektes auf eventuelle Jahrgangsschwankungen zu reagieren, um Jahr für Jahr ein möglichst homogenes Geschmacksbild zu erzielen. Auch ansonsten sprechen wir hier von gekonnt hanwerklich erzeugten Schaumweinen: Sorgsame Weinbergsarbeit, schonende Ganztraubenpressung und eine klassische zweite Gärung auf der Flasche sind nur einige der Charakterbildenden Maßnahmen, die die Familie Roth-Ochocki ihren Sekten zuteil werden läßt. Der nach 15 Monaten auf der Feinhefe abgefüllte, fruchtig-frische Weißburgunder Brut, der fast jedem auf Anhieb schmeckt, und der, ebenfalls nach 15 Monaten Hefelager degogierte Spätburgunder Rosé Brut, der mit seiner nachhaltig durch das Aroma frischer Erdbeeren und süßer Herzkirschen geprägten Art ein Musterbeispiel eines gefälligen Rosé-Sektes darstellt, stehen Zeugnis für diese gekonnte und aufwändige Sektbereitung im Hause Wilhelmshof. Deutlich strukuturierter ist der Blanc de Noirs Brut, dessen größere Tiefe zweifelsohne auch auf sein drei Monate längeres Hefelager zurückzuführen ist. Die Spitze der Produktion allerdings stellt der aus Weiß- und Spätburgunder gekelterte 2007er Brut Pinot B dar. Die Grundweine für diesen nach Nüssen und Äpfeln duftenden Schaumwein erhalten durch eine 6-monatige Barriquereifung vor der Versektung deutlich mehr Struktur, was auch die Verkoster des „Mondial du Pinot Noir“, eines hochkarätig besetzten, international anerkannten Wettbewerbs in der Schweiz zu schätzen wußten, die ihn Anfang September aus 1300 Weinen zum besten Schaumwein kürten.